Meine Verspieltheit ruft nach vielen Farben und du denkst vielleicht, ich sei harmlos. Doch forderst du´s heraus, könntest du erfahren: dein Angriff ist für dich nicht gefahrlos, weil mein kindliches Gemüt einen Gegenspieler hat. Vergreifst du dich an meinem Regenbogen, sei gesagt, jemand hier steht zum Schutz parat und wird sich wehren, kämpfen, wogen. ***
Wir haben uns angezogen. Dann verbog ich den Regenbogen. Ich wollte ihn lieber gerade. Gebogen schien er mir fade. Seitdem gibt es kein Auf und Ab und nichts hält uns mehr auf Trab. Fänd ich einen guten Grund, böge ich ihn diesmal rund.
Sanft wie die schimmernde Mondsichel und leise leuchtet mir eine Ahnung ein. Genauso wie ein Stern am Himmel kann ich gar nicht einsam sein, auch wenn ich hier alleine steh. So lange dein Gedanke zu mir findet und Liebe oder eine Leidenschaft, etwas Gemeinsames uns verbindet. ***
Wie leblos trane ich durch einen trüben Tag, erledige, was ich soll und zu erledigen hab. Ich fühle nichts als düsteren Überdruss, weil ich nicht wollen darf, dafür aber muss. Durch den Planungssumpf dringt plötzlich ein Sonnenstrahl, eine Sehnsucht, akut, laut und fast eine Qual. Wie ein Ruf zieht sie mich zum Holz hin. Blindes Tasten & Wühlen ohne Ziel und Sinn. Bis du mir fast in die verkrampften Hände fällst. Was steckt in dir, dass du meinen Tag erhellst? Ich bedränge dich mit wilden Gebärden. In Menschensprache gehts es nur ums Werden und ziemlich selten um das reine Sein. Gefangen in meiner Stimmung red ich auf dich ein. Und du bist namenlos, stumm, bunt & schön und ich nur wütend und ich kann nicht sehen. Meine Finger wissen, was sie dort erfühlen, sie wollen streicheln, tasten, wärmen, kühlen. Vorm inneren Auge erscheint ein Apfelbaum, dein Duft reißt mich aus meinem Alltagstraum. Ich atme tief ein, lass mich fallen wie du vorhin. Wir werdens schon erfahren, was wartet da drin. Wir beginnen zu reden, in einer Sprache aus Spänen, aus Beieinander sein, ohne Warten und Sehnen. Die Sprache der Erde, der Vögel, der Bäume, die Sprache der Winde, der offenen Räume. ***
Erstarrt und völlig blind, doch mit multiplem Schlangenblick schneide ich die dicke Luft der realen Welt hier im Familienfeld, wo ein Dämon ruft, wo alle in Bangen verstrickt und immer mehrere sind. ***
Deine Neugier finde ich faszinierend. Wie du niemals was glaubst, nur weil du es siehst, sondern deine Abenteuerlust trainierend dem öden Alltag stets entfliehst. Wie du Regeln testest, ob sie noch gelten oder jetzt und jetzt und jetzt. Wie du all die alten Pfade selten beschreitest oder dich zweifelnd setzt. Wohl ruhst du aus am Rand neuer Wege, aalst dich im allgültigen Sonnenlicht. Auch sah ich dich dein Gefieder pflegen, nur wegsehen sah ich dich niemals nicht. ***
Als vor Jahrtausenden ein Krieg der Worte herrschte – als Meinungen noch Gründe waren für Gefechte – stand sich das Heer von „Dies & Deshalb“ mit der Horde der „Hingegen“ gegenüber. Und sie tauschten Worte aus, gute wie schlechte.
Lange wogte der Kampf hin und her. Über dem Schlachtfeld wortgewaltiger Verfechter kreisten nur die Rabenvögel weise einvernehmlich und sie rangen bis die Zeit ein Ende machte. Die holte sie ein mit Macht, mit echter.
Und aus den Überresten dieser alten Krieger erhob sich eine schwarze Wolke vereinigter Thesen (kanns sein, dass sie wie eben jener Rabe wirkte?) stieg dunkel auf um die Welt zu erobern und seitdem ist stets Frieden der Worte gewesen. ***
Das warme Gefühl von Holz auf der Haut und wie Geheimschrift im Muster der Maserung versteckt die Botschaft von Respekt & Achtung, weil alles um dich herum dir vertraut. Und das Rauschen von Blättern im Ohr: „Ich hab gelebt, bin dann freiwillig gegangen. Niemand hat mich gefällt & gefangen. Ich bin glücklich mit allem – danach & davor.“ ***