Regelmäßiger Haarschnitt für gesundes, langes Haar – Oder nicht?

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Hände hoch! – Wer kennt das auch?

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich den Ratschlag gehört habe, ich solle einfach ein bisschen Länge opfern, dann würden meine Haare schon voller & gesünder werden…. Von Friseuren, Tanten, Müttern, Passanten…

Ein Dauerthema : Bringt mich der Haarschnitt meinem Ziel, gesundes, langes Haar zu bekommen,  näher?

 

Die Realität

haarschnitt gesunde, lange HaareMeine Haare sind Mitte Po lang, empfindlich & die Längen sind ziemlich ausgedünnt.

 

 


 

 Der Traum

Ich wünsche mir volle, gesunde Haare bis in die Spitzen (die sich gern auf Kniekehlenhöhe befinden dürfen).

Dieser Traum ist fast so alt wie ich.

Haarschnitt für langes, gesundes Haar?

Betrachten wir diesen Satz losgelöst von allem, was wir (zu) wissen (glauben): Haare schneiden! Also ab… vielleicht auch nur ein Stückchen. Sind sie dann länger?? ^^ Erstmal nicht 🙂

Trotzdem habe ich immer wieder größere Rückschnitte machen lassen, in der Hoffnung, dass meine Haare dann einstmals lang UND voll sein werden.

 

 

Zunächst ein paar Fakten

Fakten? Für diesen Post hinterfrage ich ein paar der absolut gängigen „Tatsachen“ – also Dinge, die jeder „weiß“ und sei es nur, weil man sie schon tausend mal gehört hat.

„Fakt 1“ Regelmäßiges Abschneiden verhindert Spliss

Ein bisschen Physik voran: Gegen den Spliss, der am Haar dran ist, hilft Abschneiden auf jeden Fall. Hihi. Isser ab – isser weg. Deshalb machte ich bisher auch SplissSchnitte (siehe weiter unten).

Aber: (meine) Haare (zumindest) sind gar nicht ganz unten gesplisst, sondern eher übers untere Drittel verteilt. Und sie splissen und brechen nach jedem Rückschnitt  weiter oben neu.

(für alle die, die jetzt tief Luft für RatSchläge holen – bitte lest erst meinen Post, in dem ich ausführlich darauf eingehe, wie ich pflege und schone).

Zumindest haben sie das immer

  • sowohl in meiner Kindheit ( 1 Shampoo Wäsche pro Woche, Flechtfrisuren),
  • als auch meiner Punkphase (harte, häufige Colorationen/Blondierungen, Shampoo, Condi UND Kuren fast täglich, Dauer-Pferdeschwänze) getan
  • und tun es heute (wo ich alles „richtig“ mache) noch.

Im Ergebnis habe ich also – mit oder ohne Schneiden – immer eine bestimmte (ich behaupte blasphemisch „gleich große“) Menge Spliss und Haarbruch, der meine Längen ausdünnen lässt.

„Fakt 2“ Gesplisstes Haar wächst nicht richtig

Haken wir schnell ab. Haar wächst oben aus dem Kopf raus, ist vereinfacht gesagt tote Substanz und ihm ist egal, was am unteren Ende passiert. Klar wächst es weiter. Aber vielleicht sieht man das nicht mehr, weils unten wegbröselt.

„Fakt 3″ Spliss muss ab, damit sich die anderen Haare nicht mit Spliss anstecken

Diese Geschichte habe ich im Langhaarnetzwerk zum ersten Mal gelesen. Die Begründung klingt sogar erstmal ganz logisch. Die Haare verhakeln sich ineinander und schädigen sich so – also Reibeschäden. Sie bilden Nester. Um die aufzudröseln, muss man (muss man?) Gewalt anwenden. Das schädigt sie auch, zB durch Überdehnen.

Nur halten sich meine Haare nicht an diesen „Fakt“: Ich bekomme Nester nur beim (seltenen) Offentragen & kann sie sanft wieder lösen…

Juchu, wieder ein Vorteil vom glatten Haar, es will sich nicht sooo gern verkletten.

Und mein Spliss tritt auch nicht im Rudel auf, was als Beweis dienen könnte, dass sich die Haare gegenseitig angesteckt haben ….

„Fakt 4″ Spliss muss ab, damit er sich nicht am Haar hoch frisst

Diese Theorie – die ich auch von Friseuren gehört habe – besagt, dass gesplisste Haarspitzen immer weiter ausfransen und am Ende das gesamte Haar bis hoch zur Kopfhaut gespalten ist (jippie, dann hätt ich zumindest mehr Haare 😀 ). In den langen Phasen meines Lebens, in denen ich den Spliss nicht geschnitten habe – ist das nie passiert. Niemals. Nicht eins. Mein Spliss ist nie länger als maximal 1 cm.

Trotz intensiver Suche habe ich diese Behauptung zwar sehr häufig gelesen, aber keine wissenschaftliche Unterlegung oder Studie dazu finden können.

Helfen mir diese „Fakten“ überhaupt?

Mag sein, dass diese Geschichten für andere Haare stimmen –  für meine nicht. Und länger wurden meine Haare durch die Schere bisher auch nicht.

In einfachen Worten: am Spliss abgebrochen = nicht lang & gesund  – überm Spliss abgeschnitten = auch nicht lang & gesund.

Zwischendurch noch schnell ein Outing

Natürlich habe ich bisher meinen Spliss rausgeschnitten. Mit einer guten, scharfen Haarschneideschere aus Japanstahl. Nach der mühsamen Search & Destroy Methode. Also ich suche die gesplissten Haare und schneide sie einzeln über dem Spliss ab. Denn ich habe nicht ein Haar zu viel zu verlieren …

Übrigens könnte ich das auch als FulltimeJob betreiben, denn es hat nie ein Ende. Selbst nach 2 Urlaubstagen Dauer- S&D im Sonnenschein bin ich trotzdem nie splissfrei.

Meine Geschichte ausführlich

Meine Kindheit

Ich war eine kleine Prinzessin mit einem Jungshaarschnitt. Es klebten Kaugummis & Dropse darin und entweder bekam ich meine Haare vom Männerfriseur geschnitten (zauseliges FransenKurzhaar) oder meiner Oma (PottHaarschnitt oder „Mireille Matthieu in kurz“)

 

 

Als meine Mutti der Meinung war, ich könne mich nun selbst um meine Haare kümmern, durfte ich wachsen lassen.

Gleichzeitig begann das „wir müssen die dünnen Fusseln zurück stutzen, dann werden sie dicker“. Mühsam kämpfte sich mein Haar einen Schritt vor, zwei zurück, so dass ich fast taillenlang trug, als ich 13 war.

Meine Jugend

Es waren die 80er … das soll jetzt keine Entschuldigung sein. ^^ Mit 14 ließ ich mir eine Dauerwelle machen. Eigentlich wollte ich die Locken für  meine langen (dünnen) Haare (damit sie dicker aussehen). Die Friseurin wollte das nicht. Ich war jung und machtlos und so hatte ich plötzlich mittelkurze (aber endlich dicker aussehende) Locken.

 

Später begann meine rebellische Phase. Erst ließ ich wieder wachsen, mit laaaangsam nach unten wandernden Dauerlocken. Ich versuchte, das mit einem Sidecut zu kaschieren. 😛 voll klug! oben noch dünner, unten doofe Dauerwelle.

Als mir die nicht schnell genug raus wuchs, schnitt ich mir selbst meinen eigenen struppigen Kurzhaarschnitt… Und färbte ihn schwarz.

Meine 20er

Verbrachte ich mit Wachsen lassen in der Form, 1-2 mal jährlich zu verschiedenen Friseuren zu gehen, die allesamt der Meinung waren, mein Haar sei unten zu dünn und es deshalb zurück schnitten.

Das unterminierte natürlich das  jährliche Wachstum selbst des schnellsten Haares. Und auch voller wurden sie nicht. Dafür sorgte mein überaus treuer Spliss und Haarbruch. Im unteren Drittel – egal auf welcher Höhe sich dieses befand.

Ich tröstete mich mit verschiedenen Haarfarben. Dafür musste ich meine  immer wieder schwarz gefärbten Haare blondieren und trug glücklich breite knallrote oder blaue Strähnen. Wenns mich langweilte, färbte ich wieder schwarz drüber.  Ich pendelte zwischen taillenlang und raspelkurz. Ich träumte meinen Rapunzeltraum unerfüllt weiter…

 

Den letzten Kurzhaarschnitt bekam ich mit 27 – mal wieder genervt von meiner ausgefransten Länge.

 

 

 

 

Meine 30er

Es dämmerte mir die Erkenntnis, dass sich nichts ändern konnte, wenn ich nicht selbst was änderte. Ich wollte endlich meine Haare wirklich lang. Und diesmal wollte ich alles richtig machen.

Ich begann im Langhaarnetzwerk zu lesen. Probierte erstmal noch jede Menge neuere Drogerieprodukte aus, ehe ich auf den totalen Naturtripp kam ^^

Naja, zumindest stieg ich auf Naturkosmetik um und hörte mit den heftigen Colorationen auf. Zunächst färbte ich noch mit Henna, gab es aber bald auf. Ich freundete mich mit meiner Naturhaarfarbe an, nutzte NK Shampoos & Spülungen, experimentierte mit Waschkräutern & Ölen…

Ich züchtete nun bewusst – mit der freundlichen Hilfe meiner sehr verständnisvollen Friseurin – gepriesen sei sie – die zwar immer mehr abschneiden wollte als ich, sich aber tapfer zurück hielt.

Trotzdem hatte ich ungefähr einmal pro Jahr solchen Frust, dass ich wieder größere Abschnitte wegnehmen ließ. Nur endlich wieder eine volle Kante … das gesunde Haargefühl… Einfach weil sie als Fachfrau – und auch ich – weiter davon überzeugt war, dass es helfen wird … gegen meine ständigen Begleiter: Spliss, Bruch und ausgedünnte Spitzen.

Ich überschritt überschlich erstmals Taillenlänge. Hat ja nur 10 Jahre gedauert 😀

Die letzten paar Jahre

Für die letzten 15 Zentimeter bis ich endlich den Meter nach SSS und Mitte Po erreichte, brauchte es nochmal 3 Jahre. Doooch, meine Haare wachsen monatlich ihren Zentimeter… aber ich schnitt immer größere Abschnitte ausgedünnter Spitzen ab.

 

 

 

Mittlerweile schneide ich selbst. Bisher jeden Monat eine Minimenge – Microtrimm genannt. So sieht das aus.

Ja, das ist meine komplette „Kante“ ^^

 

Heute

Seit mehr als einem Jahr halte ich den Meter nach SSS. Ich hätt gern mehr, aber es passiert nicht mehr viel.

Doch ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich noch mehr Länge erreichen kann. Ich habe nicht mal die Hoffnung aufgegeben, dass meine Haarkante einstmals ihren Namen verdienen wird … ^^

Zum Abschluss noch ein bisschen Blasphemie

Letztens hatte ich mal so einen komischen Anfall: ein paar kürzere Haarsträhnen sollten sich um mein Gesicht schmeicheln. Also schnitt ich recht forsch ein paar Haare auf ca. Kinnlänge. Bereits nach 3 Tagen konnte ich in den frisch geschnittenen Spitzen Spliss fest stellen.

Was, wenn das Schneiden selbst (auch mit scharfer Schere) Haarschäden forciert? Ein ungeschnittenes Haar ist ein in sich geschlossener Mikrokosmos, der sich selbst schützen kann? … Immerhin gibt es Studien, die belegen, dass das Haar mit  einer offenen Stelle in der Cuticula gefährdeter für Schäden ist. Feuchtigkeit kann leichter passieren – sowohl raus, wie auch rein.

hoch gestecktIch habe dazu keine wissenschaftlichen Erhebungen gefunden…. aber andere hatten die Idee auch schon. Ich würd das gern mal bewusst ausprobieren.

Klar, dass es Ewigkeiten dauern wird, bis sich mein Haar so rund erneuert hat, bis keines mehr geschnitten ist *Oh Mann… Jahre!!“ Das ist vielleicht auch der Grund, warum es dazu keine gesicherten Erkenntnisse gibt.

Aber was hab ich zu verlieren? Ich steck ja eh immer hoch….

Fazit

Ich weiß NICHT, ob Haare schneiden schlecht ist – ich sage, meine radikalen Rückschnitte haben nie dazu geführt, dass ich wirklich lange Haare … oder auch nur vollere, gesündere Längen bekommen hätte .

In meiner 30 Jahre andauernden, wechselhaften Langhaarphase hat sich dieses tolle Gefühl nach dem Haarschnitt nie mehr als ein paar Tage gehalten, ehe ich wieder nur ausgedünnten Schnittlauch mit Spliss am Kopf hatte.

Nur eins im Moment: Ich  will richtig lange Haare haben. Durch große Rückschnitte krieg ich die (ewig) nicht. Dann eben lieber lang mit ausgedünnten Spitzen (als kurz mit ausgedünnten Spitzen) 😛

Deshalb probier ich jetzt was Neues aus (und werde berichten) :

  • Schalte meine Ohren auf Durchzug gegen die ständigen „Runter mit den Fusseln“ – Einflüsterungen,

  • schneide bewusst nicht mehr (vielleicht schaff ichs sogar, den Spliss als „Puffer“ drin zu lassen *Schere versteck*)

  • nenne meine ausgedünnte Kante lieber fairytale ends

  • und erfreue mich an der hübschen Feengeschichte, die dieser Name in meinen Kopf pflanzt….

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3 Kommentare

  1. Habe mal versucht, der Tochter selbst die Haare abzuschneiden. Im Endergebnis Spliss! Was hilft ja dagegen? Und noch eine Frage interessiert mich: wie lässt sich auch Pony richtig schneiden? Mein Dankeschön für die praktischen Tipps!

    1. Hallo Helga,
      ich komme bei mir zu dem Ergebnis, dass auch geschnittene Haare wieder splissen können und glaube nicht, dass es etwas gibt, das hilft. Und ich habe meinen Pony immer beim Friseur schneiden lassen.

      Danke für dein Feedback 🙂

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